4. Spieltag: 1.FC Kaiserslautern - SV Darmstadt 98

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  • Es gibt halt neben der Spielweise noch einen anderen Aspekt: Wir haben am Samstag in den ersten 20–30 Minuten bspw. wieder verstärkt über die Flügel „operiert“, da jagte oft ein unnötiger Seitenverlagerungsversuch den nächsten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das zum von Lieberknecht selbst gewünschten "variablen Spiel" gehört – gerade bei einem doch recht durchwachsenen Außenverteidigerpärchen wie Lannert/Petretta auf Seiten der Gäste.


    Danach hat die Mannschaft aber zunehmend auf kurze Pässe gesetzt und versucht, sich über Kombinationen in den Strafraum zu arbeiten. Das war im Vergleich zur ersten halben Stunde bzw. der „Abtastphase“ ein deutlich anderer Ansatz: Man kam nicht mehr so sehr über die Außen und Seitenverlagerungen, sondern versuchte häufiger, sich durch Kombinationen ins letzte Drittel zu spielen. Man hat also im Spiel selbst auf den Ball, den Gegner und das eigentliche Spielgeschehen reagiert, anstatt stur an einem vorgegebenen Muster festzuhalten. Genau diese Anpassungsfähigkeit ist mir am Samstag sehr positiv in Erinnerung geblieben.


    Natürlich ist es gut, wenn wir unser Offensivspiel variabel aufziehen, und es ist auch klar, dass längst noch nicht alles funktioniert. Ich erkenne darin aber durchaus das Bemühen, unserem Angriffsspiel mehrere Facetten zu verleihen. Dazu gehört auch die Dribblingstärke eines Tazemeta oder eines Kanaté, auch wenn es bei ihm teilweise noch ein wenig „wild“ wirkt. Fun Fact: Tazemeta führt aktuell sogar die Tabelle der erfolgreichen Dribblings pro 90 Minuten in der 2. Liga mit weitem Abstand an.


    Das sind für mich alles deutlich erkennbare Fortschritte zum letzten Jahr bzw. zu dem von uns oft kritisierten „Schema F“ in unserer Spielanlage und dem berühmten „Hoch & Weit“ unter Lieberknecht. Und genau das beruhigt mich – zusammen mit der deutlich verbesserten und stabileren Abwehr – aktuell sogar mehr als der Blick auf die Tabelle. Mehr habe ich mir, um ehrlich zu sein, zur neuen Saison überhaupt nicht gewünscht. Ich bin deshalb sehr gespannt, wo diese Entwicklung noch hingehen wird.

    `When the seagulls follow the trawler, it is because they think sardines will be thrown into the sea'


  • ..... dem berühmten „Hoch & Weit“ unter Lieberknecht.....


    ..... ich bin mir ziemlich sicher, dass das zum von Lieberknecht selbst gewünschten "variablen Spiel" gehört.....


    Ist damit das o.g. Zitat nicht automatisch hinfällig. Bzw wenn es von Lieberknecht gewünscht ist, lag es da dann nicht an der Umsetzung durch die Spieler, oder denkst du Lieberknecht hat dazugelernt.


    Ich muss zugeben, dass ich ihn in Braunschweig und Darmstadt nicht wirklich beobachtet habe. Aber nur mit Hoch&Weit, glaube ich zumindest, hätte er dort den Aufstieg eher nicht geschafft.


    Und das er "Defensive first" lebt ist ja auch nicht so verkehrt. Es braucht halt bis die Spieler das System verstehen.


    Ich muss es nochmal sagen, dass ich damals kein Freund davon war Lieberknecht für Anfang zu installieren. Aber Kontinuität ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt für eine nachhaltig positive Entwicklung.


    Klar es ist zu früh jetzt schon in Euphorie auszubrechen. Aber es macht mir Freude was da gerade die jungen Spieler zeigen. In der Beziehung muss ich meine damalige Sicht auf Lieberknecht korrigieren.

  • Ist damit das o.g. Zitat nicht automatisch hinfällig. Bzw wenn es von Lieberknecht gewünscht ist, lag es da dann nicht an der Umsetzung durch die Spieler, oder denkst du Lieberknecht hat dazugelernt.

    Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Ob es letztlich Lieberknechts bevorzugte Taktik war oder ob die Spieler seine Vorstellungen einfach nicht richtig umsetzen konnten, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Fakt ist aber, dass sich zur neuen Saison offenbar etwas verändert hat bzw. sich gerade in eine Richtung entwickelt, die mir persönlich sehr gut gefällt und die ich mir schon länger gewünscht habe.


    Ich musste mich deshalb zwangsläufig auch immer wieder selbst hinterfragen und mir die Frage stellen, warum es an anderen Standorten wie Elversberg, Paderborn oder jetzt auch Karlsruhe deutlich schneller und besser mit einer Änderung oder Erweiterung des Spielstils zu funktionieren scheint. Vor allem frage ich mich, warum die dortigen Trainer offenbar so schnell einen spürbaren Einfluss auf ihre Mannschaften nehmen können, während es bei uns offenbar fast zwei Jahre gedauert hat - in der schnelllebigen Zeit heute, eine gefühlte Ewigkeit die viele Clubs ihren neuen Übungsleitern überhaupt nicht mehr einräumen (können).


    Eine wirklich zufriedenstellende Antwort darauf habe ich nach wie vor nicht gefunden. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Kaderstruktur dabei eine größere Rolle spielt, als man zunächst denkt. Bei Hertha ist es aktuell ähnlich, Nürnberg geht ebenfalls in diese Richtung. Alle Mannschaften hatten beziehungsweise haben große Umbrüche im Sommer hinter sich und wurden von vielen „Experten“ bereits als mögliche Enttäuschungen der Saison gesehen. Bislang zeigt sich allerdings eher das Gegenteil. Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Erklärung: Wenn sich eine Mannschaft in kurzer Zeit neu finden und eine gemeinsame Identität entwickeln muss, kann das unter Umständen auch zusammenschweißen und dafür sorgen, dass die Spieler schneller als Einheit auftreten.


    Trotzdem sollte man natürlich abwarten, wie nachhaltig diese Entwicklung beim FCK tatsächlich ist. Ich glaube außerdem, dass wir mit Darmstadt am vergangenen Samstag einen der dankbarsten Gegner erwischt haben, die uns in dieser frühen Saisonphase begegnen konnten. Dort läuft momentan einfach noch sehr wenig zusammen, weshalb man das Ergebnis und die Entwicklung vielleicht auch ein Stück weit einordnen muss. Wie schon gesagt, die nächste sportliche „Standortbestimmung“ wartet am kommenden Samstagmittag, mit dem traditionell schweren Auswärtsspiel in Magdeburg auf uns.

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